Die größten Mythen über Pferd & Hund

In der Phantastik oder in Geschichten, die aus der Sicht eines Tieres geschrieben sind, können die tierischen Protagonisten so einiges, über das echte Tiere staunen würden. Auch in der Filmwelt haben denkende Tiere eine lange Tradition – wer von meinen Altersgenossen erinnert sich nicht mit Begeisterung an Flipper und Lassie oder den schielenden Clarence?

Ein Roman, ein Krimi oder eine Kurzgeschichte und niemand hat ein Tier? Wie langweilig 😉 Allerdings sollten Autor*innen, die in ihre Geschichten Tiere einflechten wollen, Vorsicht walten lassen. Haben Sie selbst ein Exemplar der beschriebenen Tierart, dann kennen Sie sich vermutlich ausreichend aus. Wenn nicht: Recherchieren Sie gründlich, bevor sie einem Tier Verhaltensweisen andichten, die einen Teil Ihrer Leser*innen im günstigsten Fall zum Lachen bringen.

Der häufigste Fehler

Die allermeisten Tiere in fiktiven Geschichten leiden unter »menschlicher Denkweise«. Tiere können sehr klug sein, aber sie denken nicht in menschlichen Mustern. Tiere leben in der Gegenwart und machen sich keine Gedanken um die Zukunft. Bei ihnen geht es ums Überleben oder um Vorteile – aber in ihrer, nicht in unserer Welt.

Besitzt also Ihr Protagonist einen Hund, mit dem er draußen im Wald spazieren geht, oder ist Ihre Protagonistin eine schneidige Amazone und mit ihrem Pferd ebenfalls im Wald unterwegs, dann …
… kann es passieren, dass die vier sich unvermutet begegnen. Das Pferd scheut, die Reiterin stürzt und verliert das Bewusstsein, der Hund sucht sein Heil in der Flucht und reißt dabei sein Herrchen um, der mit gebrochenem Knöchel zu Boden geht.

Was liegt für die Autorin oder den Autor näher als die tolle Verbundenheit unserer treuen Begleiter mit ihrem Menschen zu zeigen? Das Pferd oder der Hund oder beide rennen also los ins nächste Dorf, machen andere Menschen auf sich aufmerksam und bringen diese zuverlässig zu den Verletzten.

Verlassen Sie sich lieber nicht darauf, wenn Sie sich im echten Leben mal ein Pferd oder einen Hund zulegen – die werden Ihnen in so einer prekären Situation eher was husten 😉 Vermutlich würde der Hund verzweifelt versuchen, sein in ungewohnter Position herumliegendes Herrchen zum Aufstehen zu motivieren, während das Pferd wahlweise in der Nähe frisst oder nach Hause läuft. Letzteres ist die günstigere Variante, denn es gibt wohl kaum einen Reitstall, in dem nicht Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt werden, wenn ein reiterloses Pferd mit herunterhängenden Steigbügeln und Zügeln erscheint.

Mythen über Pferde – stimmt’s oder nicht?

Pferde können nicht erbrechen
Das stimmt tatsächlich, sie können auch nicht rülpsen oder durch das Maul atmen. Daher rührt auch das Sprichwort »Man hat schon Pferde vor der Apotheke kotzen sehen« für etwas sehr Außergewöhnliches.

Pferde können auch im Stehen schlafen
Auch das stimmt. Der Bewegungsapparat des Pferdes ist so konstruiert, dass Knochen, Muskeln und Sehnen sich im Stand völlig entspannen können.

Pferde sind farbenblind
Das stimmt nicht. Pferde sehen anders als Menschen. Die Augen sitzen sehr weit seitlich, womit das Beutetier Pferd beim Grasen fast 360°-Sicht hat. Inzwischen weiß man auch, dass Pferde Farben sehen können. Sie sehen allerdings manche Farben klarer als andere.

Pferde können lachen
Das stimmt nicht. Der Gesichtsausdruck, den viele Leute als Lachen interpretieren, ist das sogenannte Flehmen. Dabei nimmt das Pferd einen Geruch auf und verschließt mit hochgezogener Oberlippe die Nüstern (Nase). So kann das Pferd den Duft genauer analysieren.

Pferde schweben beim Laufen
Das stimmt. Man unterscheidet beim Pferd schwunglose Gangarten (Schritt) und schwunghafte Gangarten (Trab und Galopp). Im Trab ergibt sich zwischen dem Abfußen der einen Diagonale und Auffußen der anderen Diagonale ein kurzer Schwebemoment. Im Galopp ist die Schwebephase deutlich ausgeprägter und auf vielen Bildern, vor allem von Rennpferden, zu erkennen.

Pferde können schon wenige Stunden nach der Geburt laufen
Das stimmt. Das Pferd ist ein Beutetier, damit ist es überlebenswichtig, dass auch die Jüngsten der Herde bei Gefahr im Verzug mit flüchten können.

Die Backenzähne von Pferden können einen Anpressdruck von einer Tonne ausüben
Das stimmt. Man sollte also durchaus Vorsicht walten lassen, wenn ein Pferdemaul den eigenen Fingern oder Ohren zu nah kommt.

Pferde trinken pro Tag ca. 35 – 50 Liter Wasser
Das stimmt. An heißen Tagen ist es sogar noch mehr. Pferde, die auf der Weide Gras fressen statt im Stall Heu, trinken weniger, da sie Wasser schon mit dem Gras aufnehmen. Übrigens: Pferde produzieren im Laufe des Tages auch sehr viel Spucke, um ihr Futter einspeicheln zu können.

Schimmel (weiße Pferde) werden nicht weiß geboren
Das stimmt. Mit Ausnahme von Albinos kommen alle Pferde »farbig« zur Welt. Erst wenn der Fohlenpelz sich lichtet, kann man die spätere Farbe richtig erkennen. Schimmel leiden im Grunde genommen äußerlich unter frühzeitiger Vergreisung und werden von Jahr zu Jahr weißer.

Auch Pferde können einen Sonnenbrand bekommen
Das stimmt. Besonders empfindlich sind Partien, unter denen die Haut rosa ist – die sogenannten Abzeichen (weiße Zeichnung) an Kopf und Beinen.

Übrigens: Ein weibliches Pferd nennt man Stute, das männliche Pferd ist ein Hengst und der in den meisten Reitställen anzutreffende kastrierte Hengst ist ein Wallach. Jungtiere heißen Fohlen.

Fakten am Rande: Derzeit leben etwa 60 Millionen Pferde auf der Welt, sie gehören über 300 verschiedenen Rassen an. Das größte Pferd maß vom Boden bis zum Widerrist deutlich über zwei Meter, das kleinste Pferd gerade mal 35 Zentimeter.

Mythen über Hunde – stimmt’s oder nicht?

Hunde kennen ein schlechtes Gewissen
Das stimmt nicht. Hunde sind zu einer ganzen Menge Emotionen fähig, Schuldgefühle sind allerdings nicht dabei. Mensch und Hund verbindet ein langes und enges Zusammenleben. Über Jahrhunderte haben Hunde gelernt, Worte, Stimmlage, Gesten und Gesichtsausdrücke ihrer Menschen zu interpretieren. Der Hund macht also kein betroffenes Gesicht, weil er ein schlechtes Gewissen hat, sondern weil er die Verärgerung des Menschen spürt.

Ein Hund, der mit dem Schwanz wedelt, ist freundlich
Das stimmt nur bedingt. Eine wedelnde Rute bedeutet erst einmal eines: Erregung. Ob diese positiv oder negativ ist, lässt sich aus der weiteren Körpersprache ablesen. Trägt der Hund den Kopf weit oben und wedelt nur langsam, kann er damit Dominanz auszudrücken versuchen. Ist der Körper angespannt, zeigt der Hund die Zähne, dann hat die wedelnde Rute sicher auch nichts mit Freude zu tun.

Junge Hunde genießen überall Welpenschutz
Das stimmt nicht. Sehr junge Tiere des eigenen Rudels dürfen den Älteren auf der Nase herumtanzen, aber auch nur bis zu einem gewissen Grad und Alter. Für fremde Welpen greift gar kein Schutzmechanismus.

Alte Hunde lernen nichts mehr
Das stimmt nicht. Sie lernen nur langsamer. Was das Lernen beeinflussen kann, sind nachlassender Hör- oder Sehsinn und natürlich mangelnde Energie.

Zerrspiele machen Hunde aggressiv
Das stimmt nicht. Ein normales Zerrspiel ist ein wunderbarer Zeitvertreib, macht fast allen Hunden unbändigen Spaß und ist eine tolle Möglichkeit, überschüssige Energie und Stress abzubauen. Ist der Hund vertieft in das Zerrspiel, kann er auf Beobachter manchmal aggressiv wirken. Überschreitet er beim wilden Toben allerdings Grenzen, sollte der Zweibeiner das Spiel sofort beenden.

Mischlingshunde sind gesünder als Rassehunde
Das stimmt nur bedingt. Eine zehn Jahre alte Studie an fast 150.000 Hunden in England hat keinen erkennbaren Unterschied in der Häufigkeit von Erkrankungen zwischen Rasse- und Mischlingshunden ergeben. Bekanntlich gibt es bei bestimmten Hunderassen häufig auftretende Erkrankungen – eine Aufgabe für seriöse Züchter, da Abhilfe zu schaffen. Mischlinge können ebenso Krankheitsanlagen in den Genen tragen – nur weiß man das im Vorhinein nicht.

Knoblauch vertreibt Würmer, Zecken und Flöhe bei Hunden
Das ist ein veritables Ammenmärchen. Im Gegenteil, Knoblauch kann für Hunde sogar giftig sein.

Kampf- und Listenhunde sind aggressiv
Das stimmt nur bedingt. Wie so oft, liegt das Problem am anderen Ende der Leine. Man kann jeden Hund darauf trainieren, Artgenossen oder Menschen zu beißen. Derart gezieltes Training in Verbindung mit schlechter Sozialisierung und ungeeigneter Haltung ist bei den sogenannten Kampfhunden nur weitaus folgenreicher als bei einem Chihuahua. Deshalb gelten in Deutschland strenge Regeln für die Haltung solcher Listenhunde.

Katzen und Hunde vertragen sich nicht
Das stimmt nur bedingt. Hunde und Katzen haben Kommunikationsprobleme, weil ihre Körpersprache unterschiedlich ist. Dennoch gibt es zahllose Beispiele von dicker Freundschaft zwischen Hund und Katze. Das klappt nicht immer, hat aber nicht unbedingt Seltenheitswert.

Die Nase ist das wichtigste Sinnesorgan
Das stimmt nur bedingt. Natürlich ist der Geruchssinn des Hundes sein bestausgeprägter Sinn. In zahllosen Situationen allerdings verlässt sich das Tier auf das aufmerksame Beobachten. Der erste Eindruck sozusagen entscheidet darüber, ob der Hund einen fremden Artgenossen näher kennenlernen möchte oder nicht. Die Beobachtungsgabe des Hundes ist insbesondere im Zusammenleben mit Menschen bemerkenswert, die meisten Hunde wissen Mimik und Gestik des Menschen auch ohne Stimmkommandos korrekt zu deuten.

Übrigens: Ein weiblicher Hund ist eine Hündin, der männliche Hund heißt Rüde und junge Hunde bezeichnet man als Welpen. Im Gegensatz zum Pferd können bei Hunden sowohl Rüden als auch Hündinnen kastriert werden – und nein, Hündinnen werden nicht sterilisiert.

Fakten am Rande: Weltweit gibt es schätzungsweise über 500 Millionen Hunde, 365 verschiedene Hunderassen sind anerkannt. Den Titel des größten Hundes der Welt hält derzeit die Deutsche Dogge Zeus mit 104,6 Zentimetern Schulterhöhe. Der kleinste Hund der Welt ist vermutlich die Chihuahua-Hündin Milly, die gerade mal 9,65 Zentimeter hoch ist.


Spielt in Ihrer Geschichte ein Tier mit? Mussten Sie recherchieren oder haben Sie selbst eine Fellnase? Oder haben Sie sich gar schon einmal in die Nesseln gesetzt, weil Ihr (Geschichten-)Tier sich nicht so verhalten hat, wie es echte Tiere tun? Lassen Sie es mich wissen und schreiben Sie es mir in die Kommentare!

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