Website für Autoren – muss das sein?

Wer ein Buch veröffentlicht, will vermutlich auch, dass es gelesen wird. Wozu es meist gekauft werden muss. Womit wir direkt beim Thema Marketing gelandet wären.

Marketing ist nicht nur Werbung. Vielmehr umfasst Marketing alle Aktivitäten (das Handeln) und Entscheidungen (das Denken), die sich am Markt orientieren. In unserem heutigen Informationszeitalter funktioniert Marketing ohne Online-Komponente nicht mehr. Der Tatsache müssen auch die größten Internet-Muffel ins Auge blicken.

Ohne Marketing läuft nix

Wenn niemand weiß, dass es Ihr Buch gibt, wird es sich nicht verkaufen. Den meisten Leuten fallen beim Stichwort Marketing in erster Linie Anzeigen ein oder Give-aways, Fortgeschritteneren der Kontakt zu Buchbloggern oder die Organisation von Lesungen. Das nennt man »aktives Marketing« und das ist in aller Regel mit Kosten und mit einigem Zeitaufwand verbunden.

Eine Website zählt zum »passiven Marketing« – der einmalige Aufwand erzielt auch dann Wirkung, wenn Sie nicht aktiv sind. Für Selfpublisher ist Online-Präsenz geradezu Pflicht, aber auch für Verlagsautoren empfiehlt sie sich. In Sachen Marketing passiert von Verlagsseite aus inzwischen sehr, sehr wenig. So lange Sie noch nicht zu den Großen Ihres Metiers zählen, gilt: Selbst ist die Frau. Oder natürlich der Mann.

Online-Präsenz – reichen da nicht meine Social-Media-Kanäle?

Sie sind als Autor*in richtig aktiv auf Facebook, Instagram, TikTok oder (noch?) Twitter? Fein, damit können Sie auch prima Reichweite und Bekanntheit erzielen. Aber haben Sie schon mal überlegt, was passiert, wenn ein weiterer Vogel befreit und zur Spielwiese eines Milliardärs erkoren wird? Oder wenn jemand Ihren Facebook-Account löscht, weil …? Nicht nur, dass Ihre Aktivitäten zum Erlahmen kommen, nein, Ihre Kontakte sind auf einmal weg, Ihre ganze Arbeit im Bermuda-Dreieck untergegangen.

Und, mal ehrlich, gefällt Ihnen die Optik Ihrer Facebook-Seite? Finden Sie noch wieder, was vor ein paar Wochen gepostet wurde?

Viel wichtiger aber: Das Geschäftsmodell dieser Konzerne besteht darin, Ihre Daten für zielgruppenorientierte Werbung zu verkaufen. Und Sie haben keinen Einfluss auf die Werbung, die den Besuchern Ihrer Facebook-Seite angezeigt wird. Da stehen dann schon mal neben Ihrem mit viel Aufwand beworbenen Buch Links zu anderen Werken und anderen Autoren.

Facebook & Co. sind also ein gutes weiteres Marketing-Instrument, aber …

Eine eigene Website wird heute nicht nur erwartet, es wirkt einfach professionell und strahlt Seriosität aus.

Die Website ist Ihre Visitenkarte im Netz. Hier können Leser*innen etwas über Ihre Bücher und über Sie selbst erfahren. Unterschätzen Sie auf keinen Fall das Interesse von potenziellen Buchkäufern am »Hintergrund«, sowohl des Buches als auch der Autorin oder des Autors!

Werden ein Verlag, Journalist*innen oder ein Veranstalter auf Ihr Buch aufmerksam, so bietet ihnen die Website Kontaktdaten und gegebenenfalls eine Pressemappe.

Okay, also eine Website – wie gehe ich das an?

Selbst machen oder vom Profi machen lassen? Baukasten oder CMS? Visitenkarte im Netz oder interaktiver Treffpunkt? Eine Website bietet Ihnen Unabhängigkeit von fremden Plattformen und völlige Gestaltungsfreiheit. Nutzen Sie das!

Bevor wir uns um irgendetwas anderes kümmern – das Wichtigste an Ihrem Webauftritt sind gute Bilder! Die müssen Sie nicht nur ranschaffen, für die sind Sie auch verantwortlich. Wenn Sie keine guten Bilder haben, dann lieber gar keine als schlechte. Allerdings wird eine reine Bleiwüste heutzutage eher als Zumutung empfunden. Also: Sorgen Sie für gute Fotos! Die können Sie selbst machen, einer/m Fotograf*in abkaufen, wobei Sie bitte das Recht zur Veröffentlichung auf Ihrer Website erwerben. Oder Sie gehen auf einer der kostenfreien Bilderseiten im Internet stöbern, Pixabay.com ist eine solche Seite.

Und wo wir gerade dabei sind – von Ihnen als Autor*in erwartet man gute Texte auf Ihrer Website. Am liebsten kurze und knackige, denn der moderne Internetsurfer hat keine Zeit.

Wie so oft, steht vor dem eifrigen Loslegen die Planung. Und – Überraschung! – die findet vor allem mit Papier und Bleistift statt. Nebenbei: Auch wenn Sie Ihre Website einem Profi übergeben, kommen Sie um Vorarbeit nicht herum. Seriöse Anbieter werden Ihnen zu Beginn eine Menge Fragen stellen – und auf die sollten Sie Antworten haben 😉

Die wichtigste Frage gleich zu Beginn: Wollen Sie »einfach nur« im Netz präsent sein oder haben Sie Zeit und Lust, regelmäßig etwas an Ihrer Website zu tun? Ihre Fans wollen wissen, wie es mit Ihrem nächsten Projekt vorangeht, angehende Buchkäufer interessieren sich für die Geschichte, die hinter dem Buch steckt, und Google liebt es sowieso, ständig neues Content-Futter zu bekommen.

Können Sie vor Tatendrang kaum die Finger stillhalten, dann nichts wie auf in die Welt der schier grenzenlosen Möglichkeiten: Versenden Sie regelmäßige Newsletter, betreiben Sie einen Blog oder verkaufen Sie Ihre Bücher gleich über einen Webshop. Wenn Sie aber wissen, dass Sie sich schon die Zeit fürs Schreiben mühsam vom Alltag stehlen müssen, dann geht die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Website laufend mit Neuigkeiten bestückt wird, gegen Null. Fangen Sie also besser mit einem statischen Auftritt an. Aufmörteln können Sie immer noch – aber nichts wirkt abtörnender als drei traurige Newsmeldungen, die zudem schon ein Jahr alt sind.

Technische Grundfragen

Ist das geklärt, kommt die Gretchenfrage: Selber machen oder lieber den Profi ranlassen? Kommt drauf an – und zwar auf Ihre Zeit, Ihre Technik-Affinität und Ihren Geldbeutel. Wie erwähnt, um die Vorarbeit kommen Sie auch bei Vergabe der Website nicht herum. Vielleicht ist ein Mix das Passende für Sie? Lassen Sie die Seite vom Profi erstellen und pflegen sie anschließend selbst weiter. Dann brauchen Sie den Profi nur noch für größere Änderungen an der Seite – oder natürlich im Falle eines Crashs.

Für die, die sich selbst ins Abenteuer stürzen wollen, gibt es noch eine weitere Grundsatzfrage: CMS oder Baukasten? Auch wenn manche Profis beim Wort »Baukasten« schon die Nase rümpfen, man kann mit modernen Baukästen durchaus ansprechende Websites hinkriegen. Und ein mächtiges Tool wie WordPress ist nicht unbedingt von Anfang an selbsterklärend.

Das Auge isst natürlich mit, aber noch immer zählt der Content. Wo es allerdings keine Abstriche geben darf (nie!), ist responsive Design, weil inzwischen der größere Teil der Internetnutzer auf mobilen Geräten (Smartphone oder Tablet) surft.

Das Eingemachte

Also? Ärmel hochkrempeln und los geht’s! Stopp, stopp, stopp! Erst müssen Sie noch überlegen, wie Ihre Website heißen soll. Realname oder Pseudonym? Oder gar mehrere Pseudonyme, weil Sie in verschiedenen Genres schreiben? Dann beißen Sie in den sauren Apfel und machen für jedes Pseudonym eine eigene Website. Sie haben Ihre Wahl ja aus gutem Grund getroffen – und eine Website, die Horror-Leser*innen anspricht, wird Romance-Leser*innen wohl eher verschrecken.

Wenn Sie das festgelegt haben, prüfen Sie, ob diese Domain schon vergeben ist. Ist sie noch frei, heißt es zuschlagen. Sonst müssen Sie so lange – mit und ohne Bindestrich, mit und ohne Zusatz »Autor«, wenn’s unbedingt sein muss .com oder .net statt .de – tüfteln, bis Sie eine freie Domain gefunden haben, die zu Ihrem Vorhaben passt.

Jetzt brauchen Sie noch den nötigen Webspace. Den können Sie sich z. B. mit einem Paket bei einem der großen Hoster holen. Oder Sie kontaktieren einen kleinen Hoster, der Ihnen vermutlich auch mehr Service in Sachen Fragen & Antworten bieten kann.

Alles erledigt? Gut, dann legen wir los.

Für den Anfang brauchen Sie nur eine gute Startseite und ein paar wenige Unterseiten. Wie schon gesagt, Aufmörteln geht immer. Denken Sie beim Entwerfen bitte immer daran, dass Sie Ihre Website nicht für sich machen, sondern für Ihre Besucher. Und bekanntlich muss der Köder dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Überlegen Sie sich also, was Ihre Besucher wollen – oder andersherum: Welche Besucher Sie auf Ihre Website ziehen möchten.

Da wir gerade bei »für die Besucher« sind: Internetsurfer sind ungeduldige Menschen. Sie möchten eine Information. Und wenn sie die nicht auf den ersten, allerspätestens auf den zweiten Klick bekommen, sind sie wieder weg von der Seite. Nerven Sie Ihre Besucher also nicht mit epischem »Herzlich willkommen auf meiner Autoren-Website! Schön, dass Sie da sind …«, sondern kommen Sie direkt zum Punkt.

Ein ansprechendes Bild und ein Text wie etwa: »Ich bin Lieschen Müller und ich schreibe historische Liebesromane mit Happy-End-Garantie« sagt dem Besucher so viel mehr. Wenn man darunter gleich das aktuelle Buch, den nächsten Lesetermin und die neueste Rezension findet, haben Sie das Herz des Interessenten schon gewonnen.

Die Unterseiten

Das führt uns direkt zur ersten wichtigen Unterseite: der »Über mich«-Seite. Ja, ich weiß, die wenigsten Leute mögen das. Aber muss sein! Haben Sie sich schon mal selbst beim Surfen beobachtet? Was kam, sobald eine Website Ihr Interesse geweckt hat? Richtig, der Klick auf »Über mich«. Weil Sie wissen wollen, welches Gesicht hinter diesem interessanten Angebot steckt. Ihre Besucher auch 😉

Wenn Sie sich für unfotogen halten, wenn Sie oder Ihr Umfeld nicht gerade virtuos mit der Kamera umgehen können – fassen Sie sich ein Herz und beauftragen Sie eine/n Profifotograf*in. Es lohnt sich, glauben Sie mir! So ein Shooting kostet nicht die Welt, ein Profi hat so manchen Tipp und viele Tricks in Sachen Motivwahl, Hintergrund, Präsentation auf Lager – und Sie bekommen eine ganze Auswahl an Bildern, die für mehr herhalten als »nur« für die Website.

Ihr Buch oder Ihre Bücher oder auch Ihre Projekte spielen die Hauptrolle. Entsprechend sorgfältig sollten sie auch in Szene gesetzt werden. Und gönnen Sie jedem einzelnen Buch, jedem künftigen Projekt eine eigene Unterseite. Hier findet auch eine Leseprobe Platz, hier ist Raum für den Blick hinter die Kulissen der Entstehung. Wenn es schon (positive) Rezensionen gibt, fragen Sie die Rezensenten, ob Sie den Text auf Ihrer Website verwenden dürfen. Ganz, ganz wichtig: Das Cover und / oder der Titel Ihres Buches ist ein Link und führt Ihre Besucher direkt zu einer Bestellmöglichkeit für Ihr Werk!

Nicht minder wichtig ist eine »Kontakt«-Seite. Potenzielle Käufer*innen, begeisterte Leser*innen und die/der Redakteur*in Ihrer Lokalzeitung sollen schon die Chance haben, Kontakt mit Ihnen aufzunehmen. Kommt es häufiger vor, dass bei Ihnen für Interviews angeklopft wird, lohnt es sich, eine Pressemappe zur Verfügung zu stellen – immerhin können Sie dann relativ sicher sein, dass ein vernünftiges Foto und eine korrekte Vita erscheinen.

Das Pflichtprogramm – und die Frage nach Google

In Deutschland ist für (fast) jede Website ein Impressum Pflicht, ebenso schreibt die DGSVO eine eigenständige Datenschutzerklärung vor. Beides sind potenziell heikle Angelegenheiten. Am besten lassen Sie sich so etwas über Impressum- bzw. Datenschutz-Generatoren erstellen – es gibt gute, auch kostenlose Quellen im Internet, wie zum Beispiel e-recht24.de.

Und dann wäre da noch das Thema Google und ähnliche Suchmaschinen. »Gefunden« heißt in der modernen Internetwelt mindestens auf der ersten Seite bei Google zu erscheinen. Rigorosere Ansichten gestehen nur den ersten zwei bis drei Treffern Aufmerksamkeit zu. Aber wie schafft man es dahin?

Auf keinen Fall mit Tricks. Wenn man investieren möchte, mit Geld für eine Anzeige. Sonst über eine Nische. Googles Ziel ist es, die Leute schnell finden zu lassen, was sie suchen. Je weiter der Suchbegriff gefasst ist, desto mehr Konkurrenz gibt es. Beim Stichwort »Krimi« werden es eher Millionen Treffer sein – sucht man aber nach »Alpenkrimi mit Tieren«, wird es schon lichter. Definieren Sie also die Nische Ihres Buchs so genau wie möglich und hinterlegen Sie das in den Meta-Daten.

Dass Google & Co. neue Informationen lieben, ist kein Geheimnis – eine regelmäßig aktualisierte und mit Neuigkeiten bestückte Website wird also besser im Ranking abschneiden als eine reine Visitenkarte im Netz. Versteht sich von selbst, dass Sie mit regelmäßigen Neuigkeiten (etwa zu Lesungen, Veröffentlichungsterminen etc.) auch Ihre Besucher dazu animieren, öfters auf Ihrer Website vorbeizuschauen.

Die Kür

Das sind die Basics, haben Sie diese Seiten alle mit Leben gefüllt, können Sie guten Gewissens online gehen. Danach machen Sie sich an weitere Projekte. Bieten Sie einen Newsletter an, schreiben Sie einen regelmäßigen Blog, rufen Sie einen Podcast ins Leben, begründen Sie einen Videokanal mit Schnipseln aus Ihren Lesungen oder ergänzen Sie die Website um einen Shop, in dem man Ihre Bücher und das Drumrum direkt erwerben kann.

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